H. v. Kleist, Michael Kohlhaas
Die Entwicklungen der Prozesse in Sachsen
und in Brandenburg S. 64 - 113
A Der Prozess in Sachsen
II. Was geschieht in den Amtsstuben der Staatsmänner und Ritterschaft? S.
71 - 85
i. Wie agieren Großkanzler Wrede (Justizminister), die Tronkas, Präsident
Kallheim?
- Der Großkanzler Graf Wrede erhält den Brief von Präsident Kallheim
mit dem Vorschlag „eine Vergütung der Pferde in Geld einzuleiten“
(71/7f.). Grund: „die Schmach, die zufolge der bestehenden Umstände,
dadurch auf die Familie des Junkers fiel, war so groß, dass bei dem
staatsbürgerlichen Gewicht, den sie, als eine der ersten und edelsten,
im Lande hatte, nicht billiger und zweckmäßiger schien, als eine
Vergütigung der Pferde in Geld einzuleiten.“ (71/2ff.)
- Der Großkanzler ermahnt Kohlhaas „einen solchen Antrag [...] nicht von
der Hand zu weisen“ (71/12f.) und weisst die Tronkas zurück („ihn mit
Privataufträgen in dieser Sache zu verschonen“, 71/15f.) und „fordert
den Kämmerer auf, sich an den Rosshändler selbst zu wenden“ (71/16f.)
- Graf Wrede, Großkanzler des Tribunals handelt „aus übergroßer
Rechtlichkeit, und einem davon herrührenden Hass gegen die Familie
von Tronka“ (71/34ff.)
- Die Tronkas sind „schwer erbittert über die Antwort, die sie von dem
Großkanzler empfangen hatten“ (71/26)
- Die Tronkas wenden sich jetzt direkt an den Kurfürsten (vgl. 71/28ff.)
und bitten diesen ihnen eine Bitte an Kohlhaas zu ersparen (vgl. 71/35)
- Der Präsident Graf Kallheim betont, dass die Rappen „in
staatsrechtlicher Bedeutung tot“ (72/8f.) sind und physisch auch bald
(vgl. 72/9f.).
- Die theoretisch mögliche Einigung scheitert also an dem Stolz der
Tronkas
- Der Mundschenk Hinz von Tronka stellt „die Auflösung der
Räuberhaufens in Lützen als eine verwünschte Spiegelfechterei“
(73/32f.) dar und vermutet, „dass der Haufen nach wie vor, noch
in den Wäldern des Kurfürstentums vorhanden sei, und nur auf den
Wink des Rosshändlers warte, um daraus von neuem mit Feuer und
Schwert hervorzubrechen“ (73/37ff.) und macht sich gleichzeitig „über
die Gerechtigkeitsliebe des Großkanzlers sehr lustig“ (73/35f.)
- Der Großkanzler Graf Wrede erkennt die für Kohlhaas entstandene
Gefahr und versucht daher die Angelegenheit von Kohlhaas schnell
abzuwickeln (vgl. 76/1ff.) doch die Tronkas zögern den Prozess
hinaus um sich einne Vorteil zu verschaffen und machen lange
Auseinandersetzungen und Untersuchungen notwendig (vgl. 76/9ff.)
- Der Großkanzler Graf Wrede versucht Kohlhaas davon abzubringen
Dresden zu verlassen (vgl. 77/12ff.) aber Kohlhaas lässt sich von seinem
Entschluss nicht abbringen (vgl. 77/23ff.)
- Die Tronkas sowie Graf Kallheim, der Präsident der Staatskanzlei sind
„der Meinung, dass der Kohlaas ohne Weiteres arretiert, und ihm [...]
der Prozess gemacht werden müsse“ (83/12ff.)
- Aufgrund seiner Verbundenheit zu Kohlhaas wird der „Großkanzler
abgesetzt“ (85/22f.) und „der Präsident, Graf Kallheim, an dessen
Stelle, zum Chef des Tribunals ernannt“ (85/23f.) welcher auf Seite der
Tronkas steht.
iii. Wie reagiert Prinz Christiern von Meißen (74/75)?
- Der Prinz Christiern von Meißen ist „über die Wendung der Dinge [...]
sehr missvergnügt“ (74/3ff.) und mochte Kohlhaas stürzen (vgl. 74/8)
und verhört Kohlhaas.
- Der Prinz geht dabei sehr freundlich vor („Kinder [...] wohlgefällig
betrachtet und auf eine freundliche Weise nach ihrem Alter und Namen
gefragt hatte“, 74/22ff.) und informiert Kohlhaas über Nagelschmid
und dessen Mandate (vgl. 74/24) und forderte „ihn auf, dagegen
vorzubringen, was er zu seiner Rechtfertigung vorzubringen wüsste.“
(74/28)
- Kohlhaas kann mit „wenig Mühe, die Grundlosigkeit der gegen ihn auf
die Bahn gebrachten
Beschuldigungen, befriedigend auseinander(zu)legen.“ (74/33ff.). Der
Prinz schlägt Kohlhaas daraufhin vor „ein Sendschreiben an den
Nagelschmidt“ (75/13) zu erlassen und seine Darstellung in den
Mandaten zu wiederlegen (vgl. 75/14ff.) und ihm „der ganzen Rache
der Gesetze preisgab“ (75/23)
- Schliesslich entschuldigt sich der Prinz bei Kohlhaas für den geäußerten
Verdacht ihm gegenüber (vgl. 75/31ff.), „versicherte ihr, dass solange er
in Dresden wäre, die ihm erteilte Amnestie auf keine Weise gebrochen
werden solle“ (75/34) und verabschiedet Kohlhaas und seine Kinder
gutmütig (vgl. 75/35ff.)
Die Seiten- und Zeilenangaben beziehen sich auf folgende Ausgabe:
Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik. Hg. v.
Johannes Diekhans. Erarbeitet und mit Anmerkungen versehen von Annegret
Kreutz. Schöningh Verlag, Braunschweig 2004. ISBN 978-3-14-022348-5